Open Weights, Open Source und proprietäre Modelle

Drei Stufen von Offenheit werden ständig vermischt. Ein proprietäres Modell (etwa aus den Familien GPT oder Claude) hält seine Gewichte unter Verschluss. Sie erreichen es nur über die gehostete API des Herstellers, und Ihre Prompts landen damit auf dessen Infrastruktur. Ein Open-Weight-Modell veröffentlicht die trainierten Parameter unter einer Lizenz, sodass jeder es selbst betreiben kann, legt aber nicht unbedingt Code und Daten offen, die man zum Nachbauen bräuchte. Ein echtes Open-Source-Modell geht weiter und veröffentlicht auch Trainingscode und Trainingsdaten. Die Open Source AI Definition der Open Source Initiative zieht genau diese Grenze: Gewichte allein sind noch kein "Open Source", solange die Informationen zu den Daten und der Trainingscode fehlen, mit denen man das Modell untersuchen und neu bauen kann.

In der Praxis ist fast jedes Modell, das heute als "Open Source" vermarktet wird, darunter DeepSeek, Qwen und Gemma, in Wahrheit ein Open-Weight-Modell: Die Gewichte erscheinen unter einer permissiven Lizenz (Gemma 4 etwa unter Apache 2.0), die Trainingsdaten bleiben privat. Für die Nutzung eines Modells spielt dieser Unterschied selten eine Rolle. Umso mehr zählt er für die Frage, wer kontrolliert, wo das Modell läuft, und damit, wohin Ihre Daten gehen.

Was welche Art von Modell veröffentlicht

Modell Gewichte Trainingscode Trainingsdaten
Proprietäres Modell Nein Nein Nein
Open-Weight-Modell Ja Nicht unbedingt Nicht unbedingt
Open-Source-Modell Ja Ja Ja

Warum Open Weights die Grundlage souveräner Inferenz sind

Weil die Gewichte nur eine Datei voller Zahlen sind, haben sie keine Verbindung zurück zu ihrem Hersteller. Eine Gewichtsdatei enthält feste Zahlen, die eine mathematische Funktion definieren. Sie kann selbst nichts tun und enthält keinen Mechanismus, der Daten irgendwohin sendet. Wer die Gewichte hostet, kontrolliert den gesamten Datenpfad. Bei einer proprietären API sieht die Cloud des Modellherstellers jeden Prompt. Läuft ein Open-Weight-Modell auf Infercom, hat der Hersteller nur die Gewichte veröffentlicht und keinen Einblick, wie sie laufen: Ihre Daten gehen stattdessen an unsere EU-Infrastruktur. Man kann sich veröffentlichte Gewichte wie ein gedrucktes Buch vorstellen. Sobald der Autor es herausgegeben hat, weiß er nicht, in welcher Bibliothek es steht oder wer darin liest.

Genau das macht Open Weights zur technischen Grundlage EU-souveräner Inferenz. Aus welchem Land ein Modell stammt, spielt keine Rolle dafür, wo Ihre Daten liegen, weil der Hersteller nichts hostet. Ein Modell, das irgendwo auf der Welt trainiert wurde, kann Nutzer in Europa vollständig unter EU-Jurisdiktion bedienen, wenn es auf europäischer Infrastruktur läuft. Requests an unsere in der EU gehosteten Modelle laufen in einem Rechenzentrum in München, auf EU-Boden und nach EU-Recht. Es gibt keine US-Muttergesellschaft, deshalb sind wir dem US CLOUD Act nicht ausgesetzt. Auch der Rechtsrahmen kennt diese Kategorie: Der EU AI Act sieht für freie und quelloffene General-Purpose-Modelle geringere Pflichten vor als für geschlossene.

Sind Open-Weight-Modelle gut genug?

Der Leistungsabstand, der früher einen Aufpreis für geschlossene Modelle rechtfertigte, hat sich für Alltags-Workloads weitgehend geschlossen. Unabhängige Tracker wie Epoch AI beziffern den Rückstand der besten offenen auf die besten geschlossenen Modelle in Monaten, nicht in Generationen, und stellen fest, dass er nicht wächst. Für die meisten Produktionsaufgaben, also Chat, Extraktion, Code und Agenten, ist ein aktuelles Open-Weight-Modell konkurrenzfähig. Auf spezialisierter Hardware lässt es sich zudem deutlich schneller betreiben.

Open Weights zu betreiben eröffnet außerdem etwas, das geschlossene APIs nicht bieten: die Kontrolle darüber, wo und wie ein Modell läuft. Auf unserer Dataflow-Infrastruktur betreiben wir Open-Weight-Modelle wie MiniMax M2.7 und gpt-oss-120b mit Geschwindigkeiten weit über denen typischer GPU-API-Anbieter, und jeder Request bleibt dabei in der EU. Die Herkunft wird so zu einer Frage des Verhaltens, nicht der Datensicherheit. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr "Kann der Modellhersteller meine Daten sehen?" (architektonisch nicht), sondern "Vertraue ich meinem Inferenz-Anbieter?".

Quellen

Erfahren Sie, wie die Dataflow-Architektur von SambaNova die Wirtschaftlichkeit der Inferenz verändert und warum wir auf ihr aufbauen.

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